Woher kommt Ramser?
Bedeutung von "Ramser"
Das Wort ramsen stammt aus dem Französischen ramas, also ensemble de choses sans valeur, was soviel heisst wie ein Haufen wertloser Dinge. Das Wort erscheint aber in den heutigen Wörterbüchern kaum mehr. Im Deutschen geht das Wort Ramsch auf den gleichen französischen Begriff zurück. Das französische Verb ramasser bedeutet mühsam etwas zusammenbringen, sammeln, zusammentragen, zu etwas kommen.
Das Schweizerdeutsch Wörterbuch von 1886 kennt in der Mundart „rams werde“, „rams si“ als Begriff für im Spiel Rams „verlieren bzw. verloren haben“, indem man keinen Stich gemacht hat. Ebenso „finanziell ruiniert werden oder sein“ als auch „körperlich und geistig Fiasko machen“ sowie „kaputt, futsch sein“. Es kennt rams aber auch als abwertender Ausdruck für schwanger sein.
Der Atlas der schweizerischen Volkskunde, eine volkskundlichen Untersuchung aus den 1930er Jahren, findet über 50 Orte, in denen um Silvester und Neujahr geramst wurde. Es war ein recht geschlossenes Gebiet und reichte im deutschschweizerischen Mittelland mit Einschluss des Berner Oberlandes vom Neuenburgersee und dem Sensegebiet aareaufwärts bis in die Seitentäler der Aare und zur Aa, griff aber nur bei Beromünster über die aargauische Grenze. Nördlich der Aare war das Spiel selten. Das bernische Niederbipp wird speziell erwähnt, denn hier ramste man um eine ganz spezielle Wurst, nämlich um eine Lyonerwurst, eine feine Brühwurst also. Im aargauischen Lenzburg spielte man sogar um eine Gans. Der Atlas zeigt aber auch, dass in den 1930er Jahren nicht nur in der Altjahrwoche Rams gespielt wurde. Ramsen war im Gebiet des Berner Juras und im heutigen Kanton Jura ein Kartenspiel, ohne Bezug zu einer speziellen Festzeit und in Twann am Bielersee gründeten die Frauen sogar einen Klub, in dem sie zusammen ramsten.
Laut dem Schweizerischen Wörterbuch Idiotikon von 1886 ist Rams der „Name eines früher sehr verbreiteten, jetzt durch den Jass zurückgedrängten, einfachen Kartenspiels. Die Karten werden zu je 5 beliebig vielen Mitspielern verteilt; die oberste Karte des verbliebenen Restes ist Trumpf. Nur die Stiche werden gezählt; wer keinen Stich macht (rams wird), muss den ganzen Einsatz ersetzen.“
Dass man um eine Wurst spielt, wird im Idiotikon jedoch nicht erwähnt. Der Gewinner erhielt damals Lebensmittel wie Zopf, Rahm, Zuckerstöcke oder Nüsse. Das Brienzerdeutsche Wörterbuch aus dem Jahre 2006 erwähnt sogar Käse als Preis. Der Schweizer Autor Jeremias Gotthelf (1797-1854) erwähnt in diversen Werken das Ramsen. Dank ihm ist festzustellen, dass nicht nur das einfache Volk Rams spielte: „Man hält es für ganz natürlich, dass gebildete Leute sich nicht allen Unannehmlichkeiten einer Gaststube preisgeben und Rams lieber unter sich abmachen.“ Wir finden bei ihm auch die Bestätigung, dass im 19. Jahrhundert nicht nur in der Altjahrswoche geramst worden ist: „Einige ausgemachte Lumpen fanden sich öfters ein zu einem Schoppen Wein und einem Rams.“
Heute ist dies anders: man ramst in der Altjahrwoche, und als Gewinn winkt in der Regel eine Rohwurst. Diese bestellen der Wirt oder die Wirtin beim lokalen Metzger. Die Spieler und Spielerinnen kaufen dann eine Wurst und teilen die Kaufsumme durch die Anzahl mitspielender Personen. Der Betrag wird vor dem Spiel bezahlt.
In Huttwil (BE) gelten andere Regeln: Dort werden gleich viele Würste gekauft wie Spieler am Tisch sitzen. Jeder Spieler bezahlt den gleichen Anteil. Die gekauften Würste sind unterschiedlich gross, denn der Gewinner erhält am Schluss die grösste und der letzte die kleinste Wurst. Man spielt jedoch nach wie vor nicht nur um Würste. In Gelterkinden (BL) winken als Preise zum Beispiel ein Rollschinkli, eine Speckseite, eine Salami und Pralinés. In Walkringen (BE) spielt man um eine Dauer- oder Schwartenwurst.
Ramset
Gestern am Stefanstag haben zahlreiche regionale Gaststätten den traditionellen Ramset gestartet. Mit möglichst gutem Jassen versuchen die Teilnehmenden in der Altjahrswoche, möglichst viele der würzigen Ramser-Würste zu gewinnen. Der Brauch reicht mindestens in Gotthelfs Zeiten zurück.
«Er het nid dra gsinnet, wie kurz es währt, wenn mans z’stark treibt. Letzten Dienstag am Morgen fand man ihn tot im Bette. Am Abend vorher ist er noch wohlauf gewesen, hat mit ein paar Kameraden gramset bis nach Mitternacht, man hat ihm von der Krankheit gar nichts angemerkt; nur hat er sie nie fortlassen wollen, sie waren manchmal zweg zum Gehen. Nur noch eine, hat er gesagt, nur noch eine. Ins Bett möge er nicht, man könne ja morgen liggen, so lang man wolle, es sei ihm afe nichts so zwider als i ds Bett z’gah. Sie haben sich dessen nicht sövli geachtet, er hats immer so gehabt; je länger es des Abends bei ihm gegangen, desto lieber war es ihm…»
Nein, so arg wie es in Gotthelfs «Der Geltstag» beschrieben ist, endet das gemütliche Ramsen normalerweise gewiss nicht. Es ist vielmehr eine jahrhundertealte Tradition und wird ausschliesslich mit den Begriffen «Jassen» und «Ramser-Würste» verbunden. Das Wort «Ramsen» als solches könnte vom französischen «ramasser» (zusammenlesen, einsammeln), also «zäme ramisiere», abstammen. Ramsete gibt es vor allem im solothurnischen Bucheggberg («Buechibärg»), im Emmental, Oberaargau und im Berner Oberland. Früher wurde in der Altjahrswoche auch um Nüsse, Züpfe oder Fleisch gejasst. Heute geht es buchstäblich «um die Wurst», respektive um die traditionellen Ramser-Würste. Wurden diese einst in den meisten Fällen von den Wirtschaften selbst hergestellt, werden sie heute in der Regel von regionalen Metzgereien produziert. Dabei handelt es sich um eine Art Berner Bauernwurst (Saucisson), die mindes-tens zwei Wochen lang im Küchenrauch geräuchert wurde. Die Würste werden von den «Ramseten» (pro Ramset-Tischrunde meist fünf bis sechs Jasser) vom Wirt gekauft. Dabei wird die Kaufsumme durch die Anzahl Spieler geteilt; der Betrag wird vor dem Spiel bezahlt. Wer gut jasst, kann sich für eine schöne Weile mit den gut haltbaren Ramser-Würsten eindecken. Wem das Glück nicht hold ist oder wer das Spiel verscherzt, nimmt weniger – und zuweilen teure Würste nach Hause.
Quelle: Liselotte Jost
Ramsen - traditioneller Jass in der Altjahrswoche
Ramsen im Oberaargau
Ramsen - oder Ramset - ist eine jahrhundertealte Tradition und wird ausschliesslich mit den Begriffen «Jassen» und «Ramser-Würste» verbunden. Das Wort «Ramsen» als solches könnte vom französischen «ramasser» (zusammenlesen, einsammeln), also «zäme ramisiere», abstammen.
Ramsete gibt es vor allem im solothurnischen Bucheggberg («Buechibärg»), im Emmental und Oberaargau, im Baselbiet und im Berner Oberland. Früher wurde in der Altjahrswoche auch um Nüsse, Züpfe oder Fleisch gejasst. Heute geht es buchstäblich «um die Wurst», respektive um die traditionellen Ramser-Würste.
Dass man um eine Wurst spielt, wird im Idiotikon jedoch nicht erwähnt. Der Gewinner erhielt damals Lebensmittel wie Zopf, Rahm, Zuckerstöcke oder Nüsse. Das Brienzerdeutsche Wörterbuch aus dem Jahre 2006 erwähnt sogar Käse als Preis. Der Schweizer Autor Jeremias Gotthelf (1797-1854) erwähnt in diversen Werken das Ramsen. Dank ihm ist festzustellen, dass nicht nur das einfache Volk Rams spielte: „Man hält es für ganz natürlich, dass gebildete Leute sich nicht allen Unannehmlichkeiten einer Gaststube preisgeben und Rams lieber unter sich abmachen.“ Wir finden bei ihm auch die Bestätigung, dass im 19. Jahrhundert nicht nur in der Altjahrswoche geramst worden ist: „Einige ausgemachte Lumpen fanden sich öfters ein zu einem Schoppen Wein und einem Rams.“
Heute ist dies anders: man ramst in der Altjahrwoche, und als Gewinn winkt in der Regel eine Rohwurst. Diese bestellen der Wirt oder die Wirtin beim lokalen Metzger. Die Spieler und Spielerinnen kaufen dann eine Wurst und teilen die Kaufsumme durch die Anzahl mitspielender Personen. Der Betrag wird vor dem Spiel bezahlt.
In Huttwil (BE) gelten andere Regeln: Dort werden gleich viele Würste gekauft wie Spieler am Tisch sitzen. Jeder Spieler bezahlt den gleichen Anteil. Die gekauften Würste sind unterschiedlich gross, denn der Gewinner erhält am Schluss die grösste und der letzte die kleinste Wurst. Man spielt jedoch nach wie vor nicht nur um Würste. In Gelterkinden (BL) winken als Preise zum Beispiel ein Rollschinkli, eine Speckseite, eine Salami und Pralinés. In Walkringen (BE) spielt man um eine Dauer- oder Schwartenwurst.
Quelle: Unter-Emmentaler, Liselotte Jost
Quellen
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Unter-Emmentaler: Liselotte Jost